Missbrauch hinterlässt nicht nur Wunden, sondern auch Muster. Tief in uns entsteht die Überzeugung:
Etwas fehlt.
Etwas wurde mir genommen.
Irgendjemand muss es mir zurückgeben.
Oder auch…
Ich bin zerstört worden.
Ich bin verletzt.
Jemand muss mich wieder zusammenflicken.
Das ist der Punkt, an dem viele unbewusst nicht nach Liebe suchen – sondern nach Heilung. Sie suchen nicht nach einem Menschen, mit dem sie ihr Glück teilen können, sondern nach einem Menschen, der sie glücklich macht. Sie suchen nicht nach einem Menschen, der sie ergänzt, sondern der sie wieder ganz macht.
Doch hier liegt die Falle: Manifestation aus Mangel kreiert nie das, was wir wirklich wollen.
Wenn wir im Inneren fühlen, dass wir nicht heil sind, dass wir ohne den „richtigen“ Partner nicht glücklich werden, dann senden wir genau diese Frequenz aus. Und was zieht man an, wenn man im Gefühl schwingt, von:
Ich brauche jemanden, um mich ganz zu fühlen…
Jemanden, der dieses Gefühl bestätigt.
Das können zwei Arten von Menschen sein:
- Der offensichtliche Täter: Menschen, die selbst kein echtes Mitgefühl empfinden, sondern Beziehungen nach Nutzen wählen. Sie „riechen“ die Bedürftigkeit anderer und nutzen sie aus – emotional, finanziell, energetisch.
- Der unerkannt Traumatisierte: Jemand, der genau dasselbe Muster in sich trägt. Der ebenfalls nach Heilung sucht, ohne es zu wissen. Und dessen unbewusste Täteranteile in Resonanz mit unseren Opferanteilen gehen – und umgekehrt.
So entsteht das, was als Trauma-Bonding bekannt ist: Eine Verbindung, die uns nicht erfüllt, sondern abhängig macht. Es wird erneut Missbrauch entstehen, denn wir BRAUCHEN den anderen.
Es ist ein Wechselspiel aus Hochgefühl und Schmerz, aus Hoffnung und Enttäuschung – ein Kreislauf, der durch biochemische Prozesse im Körper verstärkt wird. Toxische Beziehungen funktionieren wie eine Sucht. Die intensiven Schwankungen zwischen Nähe und Ablehnung lösen die gleichen hormonellen Muster aus wie Drogenmissbrauch: Erst kommt der Dopaminrausch der Hoffnung, dann der Absturz in das tiefe Loch des Mangels. Und weil das Gehirn noch mal das „Hoch“ will, beginnt der Kreislauf von vorn.
Wir suchen also nach Erfüllung und Heilung. Hoffen, dass der andere dabei hilft und finden das genaue Gegenteil davon.
Die eigentliche Wahrheit ist jedoch: Liebe heilt nicht.
Heilung geschieht in uns. Und erst, wenn wir erkennen, dass nichts zurückgegeben werden muss – weil wir in Wahrheit nie weniger wert waren –, können wir aufhören, Liebe mit Brauchen zu verwechseln.
Denn wer sich selbst als heil und vollständig fühlt, zieht nicht mehr den an, der ihn retten soll – sondern den, der mit ihm wachsen will.
Also frag dich:
Will ich wirklich Liebe?
Oder suche ich Heilung?
Denn die Antwort darauf entscheidet darüber, was du in dein Leben ziehst.