Scham. Ein Gefühl, das so viele Opfer teilen. Wir schämen uns nicht nur für das, was uns angetan wurde – sondern oft auch dafür, wie wir darauf reagiert haben. Die tiefe, nagende Scham ist wie ein Stigma, das der Täter uns aufzwingt. Als hätte er damit für alle Zeit bestimmt:
Diese Person ist nicht mehr wert als das, was ich in ihr gesehen habe.
Ein Paradox. Denn das, was der Täter in seinem Opfer sieht, ist oft nichts anderes als seine eigene Wertlosigkeit, seine eigene Dunkelheit – die er nicht tragen kann und daher externalisiert.
Täterenergie: Die unsichtbare Last
In der Dynamik zwischen Täter und Opfer geschieht eine subtile, oft übersehene Übertragung: Die Energien vermischen sich. Der Täter entledigt sich eines Teils seiner eigenen Last, indem er sie auf das Opfer projiziert. Das Opfer wiederum nimmt in der akuten Bedrohung unbewusst Anteile des Täters in sich auf. Nicht, weil es das will – sondern weil es instinktiv einen Weg sucht, sich weniger ausgeliefert zu fühlen.
Dieser Mechanismus ist eine Überlebensstrategie. In Momenten extremer Hilflosigkeit gibt es für das Opfer oft nur zwei Optionen: Totale Ohnmacht oder ein unbewusstes Mitschwingen mit der Täterenergie, um zumindest eine Illusion von Kontrolle zu bewahren. Auf einer energetischen Ebene könnte man es als eine Art Verschmelzung oder sogar „Mittragen“ der Täteranteile bezeichnen.
C. G. Jung beschreibt einen ähnlichen Mechanismus in seiner Theorie des Schattens: Der Mensch verdrängt unbewusste, unerwünschte Persönlichkeitsanteile – und projiziert sie auf andere. Täter, die ihre eigene zerstörerische Natur nicht ertragen können, neigen dazu, diese in ihren Opfern „wiederzufinden“ und dort zu bekämpfen.
Doch das Opfer übernimmt in diesem Moment nicht nur eine Projektion – es speichert auch die Täterenergie in seinem System. So lange, bis es sich aktiv davon befreit.
Der unsichtbare Abdruck: Warum Opfer Täteranteile in sich tragen
C. G. Jung sprach davon, dass Traumata tief im kollektiven Unbewussten gespeichert werden. Gerade Missbrauchsopfer tragen oft eine innere Zerrissenheit in sich: Zum einen besteht die bewusste Identifikation mit dem Opfersein, zum anderen existiert im Schattenbereich eine Art unbewusste „Täterprägung“, die durch den Missbrauch ins System eingedrungen ist.
Das ist kein moralisches Urteil – sondern ein psychischer Mechanismus. Der Verstand spaltet ab, was er nicht aushalten kann. Doch alles Abgespaltene bleibt im Schatten und wirkt weiter.
Viele Opfer erleben später Scham, Schuldgefühle oder Selbsthass. Sie haben Angst, selbst „dunkle“ Seiten zu haben, weil der Täter einen energetischen Abdruck in ihnen hinterlassen hat. Manche entwickeln unbewusst Täterverhalten sich selbst oder anderen gegenüber – in Form von Selbstsabotage, toxischen Beziehungen oder destruktiven Mustern.
Das Problem: Was nicht bewusst ist, kann nicht geheilt werden.
Warum wir immer wieder toxische Beziehungen anziehen
Warum wir immer wieder toxische Beziehungen anziehen
Das tiefste Problem dieses Mechanismus zeigt sich oft in unseren späteren Beziehungen. Denn das, was unser Nervensystem als Vertrautheit speichert, fühlt sich für uns „richtig“ an – auch wenn es toxisch ist.
Der Psychologe Sigmund Freud nannte dieses Phänomen den Wiederholungszwang: Menschen neigen dazu, unbewältigte traumatische Erfahrungen immer wieder zu wiederholen, oft in der Hoffnung, sie diesmal „richtig“ aufzulösen. Das bedeutet:
- Wer in einer Täter-Opfer-Dynamik gefangen war, gerät oft wieder in ähnliche Beziehungen.
- Wer als Kind emotionale Kälte oder Missbrauch erlebt hat, fühlt sich zu ähnlichen Partnern hingezogen.
- Wer früh gelernt hat, dass „Liebe schmerzt“, verwechselt emotionale Intensität mit Nähe.
- Wer durch jemand anderen Schaden erlitten hat, versucht jemanden zu finden, der diesen Schaden wieder heilt (was natürlich nicht geschieht, sondern nur weiteren Schaden produziert)
Doch es geht nicht nur um unbewusste Muster – auch energetisch gibt es eine Wechselwirkung:
- Täter „erkennen“ Opfer oft intuitiv. Sie spüren, wenn jemand bereits geschwächt ist oder eine Geschichte von Grenzüberschreitungen hat.
- Opfer senden unbewusst Signale aus, die Menschen mit destruktiven Absichten anziehen.
- Die Täteranteile, die in uns gespeichert sind, lassen uns mit toxischen Personen in Resonanz treten – solange sie nicht geheilt sind.
Das bedeutet: Nicht nur wir suchen uns Täter aus – auch Täter suchen uns aus.
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, müssen wir die Prägung aus unserem System lösen.
Wie wir die Täterenergie loswerden und den Kreislauf durchbrechen
- Schattenarbeit: Die verdrängten Anteile anerkennen
Wahre Heilung wird möglich, durch Integration der abgespaltenen Persönlichkeitsanteile. Das bedeutet, sich bewusst zu machen, was wirklich passiert ist – und welche Spuren es hinterlassen hat. Täterenergie bleibt nur so lange im System, wie sie verdrängt wird. Sobald sie bewusst erkannt wird, beginnt die Transformation. - Die eigene Macht zurückholen
Solange ein Mensch irgendetwas aktiv tun kann – sei es verstehen, sich anpassen oder sogar Mitleid empfinden –, bleibt er handlungsfähig. In der Ohnmacht liegt die größte Gefahr, denn sie hält uns gefangen. Doch wenn wir erkennen, dass wir für einen Moment der Ohnmacht zustimmen können, wird möglich, die Last des Täters loszulassen (das ist unter anderem ein Prozess in Vesta), und es Beginnt die Befreiung. - Energetische und systemische Reinigung
Traumata sind nicht nur psychologisch, sondern auch energetisch verankert. Methoden wie Metagraphie®, EMDR oder körperorientierte Heilmethoden helfen, die gespeicherten Täterenergien zu erkennen und aus dem System zu lösen. - Neue Muster schaffen: Bewusst neue neuronale Verbindungen anlegen
Erkennen, was gesund ist: Liebe muss sich nicht schmerzhaft, herausfordernd oder intensiv anfühlen, um echt zu sein. Süchte als solche erkennen (z.B. Beziehungssucht, emotionales Essen, Alkohol, Drogen, Sport)
Sich selbst neu definieren: Wer bin ich – losgelöst vom Trauma?
Lernen, sich selbst zu spüren: Metagraphie®, Meditation und Körperarbeit helfen, sich aus der alten Identifikation zu lösen.
Fazit: Dein wahres Selbst ist unantastbar
Dieser Mensch darf und muss sich schämen. Nicht du.
Der Mechanismus der Täter-Opfer-Verschmelzung ist tief in unserer Psyche und unserem Nervensystem verankert. Doch er kann durchbrochen werden.
Du bist nicht, was dir passiert ist. Du bist nicht die Energie des Täters. Du hast diese Anteile übernommen, um zu überleben, aber du musst diese nicht ewig tragen.
Deine Seele ist unversehrt. Dein wahres Selbst ist unantastbar.
Indem wir uns bewusst von Täterenergie lösen, unsere Frequenz anheben und uns mit unserem höchsten Potenzial verbinden, können wir frei werden.